Zur Namensgebung „Ostfalia“

Grundsätzlich ist es üblich, dass sich studentische Korporationen lateinische Namen geben. Oft sind diese angelehnt an germanische Stämme (z.B. Alemannia, Cheruskia, Chattia, Gotia) oder geographische Räume (z.B. Rhenania, Palatia, Guestphalia, Bavaria). Auch „Ostfalen“ ist ein geographischer Raum, wenn auch heute im alltäglichen Sprachgebrauch eher unüblich. Häufig werden wir gefragt, inwiefern unser Name einen Bezug zum geläufigeren Westfalen habe.

Der Ausdruck Ostfalen bezeichnet den östlichen Teil des alten Stammesgebiets der Sachsen, gelegen zwischen den Flüssen Leine, Elbe, Saale und Unstrut. Das alte Sachsen umfasste das damalige Gebiet Westfalens, des dazwischen liegenden Engern und Ostfalen. Nicht zu verwechseln ist Ostfalen mit Ostwestfalen, welches damals das Grenzgebiet zwischen Westfalen und Engern bildete. Die Einteilung der drei genannten Gebiete erfolgte zum Ende der Sachsenkriege Karls des Großen 785 und der Taufe des Herzogs Widukind. Es folgte die Christianisierung der Sachsen und die Gründung der Bistümer Hildesheim und Halberstadt um 815.

Durch zahlreiche Erbteilungen und Aufteilungen der Herrschaftsgebiete in immer kleinere Teile verlor die Gebietsbezeichnung Ostfalen an Bedeutung. So entstanden bis ins 13. Jahrhundert beispielsweise das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, die Gebiete der Bischöfe von Halberstadt und Hildesheim, des Erzbischofs von Magdeburg und das Stiftsgebiet Quedlinburg. Weiter südlich bildete sich die Landgrafschaft Thüringen, die Teile des heutigen Thüringens umfasste.

Im Zuge der Gründung der Unitas Ostfalia war es unseren Gründervätern – zu diesem Zeitpunkt noch in Magdeburg ansässig – wichtig, einen geeigneten Namen für den neuen Unitas-Verein zu finden. Eine Ottonia gab es bereits, Magdeburgensis erschien im Hinblick auf eine zukünftige Ausweitung der Aktivität nach Erfurt als zu eng. So war eine Ostfalia mehr als adäquat, denn sie implizierte eine Verbundenheit mit Westfalen, hatte also eine gesamtdeutsche Phonetik und umschloss sowohl das Sachsen-Anhaltinische Magdeburg als auch das Thüringische Erfurt.